VOR UND ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT
Künstlerische Konzeption der Sisi-Kapelle
von Hans Hoffer *
Die Sisi-Kapelle ist ein gebautes Crossover; an
der Grenze zwischen Stadt und Land gelegen,
wurde an diesem ersten neugotischen Bauwerk
Mitte des 19. Jahrhunderts die Gotik zitiert.
Mausoleum und Folie, Begräbnisstätte und
täuschendes dekoratives Parkbauwerk zugleich,
wurde es mit der Revitalisierung in die unmittel-
bare Gegenwart katapultiert und durch die mediale
Konzeption mit der Zukunft vernetzt.
Biosphäre und Infosphäre treffen heute auf spannende Weise aufeinander. Einerseits behauptet die Kapelle den umbauten Raum in der Natur, andererseits wird die umgebende Natur quasi ins Haus geholt; die klaren einfachen Fenster aus Stahl und Glas, ebenso die hohe Türe wie auch das Dach aus Glas, ermöglichen eine sensible Durchdringung von innen und außen. Diese Komponenten lassen den Eindruck entstehen, das Bauwerk mindere nicht die Natur, sondern steigere deren Wirkung.
Kritische Selbstbeobachtung und Aufklärung über Zusammenhänge und Fehlentwicklungen werden auf vierzehn in die Wände integrierten Flachbildschirmen gezeigt. Ein „Kreuz-weg der Natur“, der nicht schockieren will, wohl aber Nachdenk-lichkeit erzeugen kann.
Die Sisi-Kapelle ist, wie auch der Lebens-baumkreis und das Oktogon Am Himmel, bewusst: „work in progress“, Erfahrungen mit den Besucher-Innen, neue Erkenntnisse, sowie künstlerische und technische Innovation sollen immer wieder einfließen und die Richtung ändern.
Wie in der Antike werden hier Feste und Kultur – Kunst nicht getrennt, es gibt eine Kultur des Feierns und die Kunst – Kultur wird hier zum Fest. Die komplexe mediale Ausstattung erlaubt Ereignisse verschiedenster Form und unterschiedlichsten Inhalts.
Die musikalischen Aktionen, teilweise verbunden mit Licht- und Videoinszenierung, wurden mit Uraufführungen von Kurt Schwerzik, Christian Muthspiel und Otto M. Zykan gestartet.
In der Kapelle wird im Normalbetrieb das einst umstrittene, sogar verbotene, staatskritische Stück die „Staatsoperette“ von Otto M. Zykan und Franz Novotny (unter anderem mit Peter Turrini) sowie ein ORF-Porträt über den Künstler in Bild und Ton und die, für den steirischen Herbst entstandene Mozartvideoinszenierung “Zauberspiegel“ von Hans Hoffer (mit Otto M. Zykan und den Kindern von Deutschlandsberg) gezeigt.
So bewegt sich die künstlerische Konzeption im Spannungsfeld zwischen der gegebenen natürlichen Wirkung im Laufe der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, dem „Biosphärischen Da-sein“ und den anspruchsvoll inszenierten, artifiziellen Ereignissen.
Der verbleibende “Zwischenraum“ dient den herrlich einfachen Dingen des Lebens, wie: reden, tanzen, lachen, denken, trinken, feiern, trauern, lieben, träumen ...